Deutschland ist schlecht für meine Haut

Es ist jetzt etwas mehr als ein halbes Jahr, seit ich nach 20 Jahren Abwesenheit wieder nach Dschermanie zurück gezogen bin. Einige Anmerkungen:

  1. Deutschland ist schlecht für meine Haut. Ich weiss nicht, ob es das trockene Klima so weit landeinwärts ist, oder der ganze Sand bei der Arbeit, aber es ist so.
  2. Ich dachte, dass mein Deutsch ganz von alleine besser werden würde, aber ich vergesse andauernd Wörter und mache immer noch frustrierende Fehler, besonders mit Präpositionen und Hilfsverben. Leute sprechen von mir oft als Engländer*in, was mich immer kurz verwirrt, aber es ist vielleicht ganz nützlich: werde ich ja wie schon in England einer der „guten“ Ausländer, und meine tollpatschigen Sätze werden mir vergeben.
  3. Überhaupt hat das irgendwo herkommen hier anscheinend etwas andere Abgrenzungen, als in England. Meine Kollegen waren überrascht, dass mich niemand in England als Londoner bezeichnen würde, obwohl ich mehrere Jahre dort lebte. Man scheint wohl aus der Stadt zu kommen, in der man gerade wohnt. (Es sei denn man ist etwas übergeordnetes so wie Sachse oder Franke) Ich weiss nicht, ob das System eher annimmt, dass man sein Leben lang in der gleichen Stadt bleibt, oder ob man halt ganzherzig umziehen soll. (Wenigsten solange man weisser Westeuropäer ist, wahrscheinlich.)
  4. Ich dachte eine Weile, die Deutschen wären noch konservativer als die Engländer, aber ich glaube mittlerweile, da halte ich den Engländern zu viel zugute. Die Deutschen finden es wohl nur akzeptabler, ihre regressiven Meinungen offener auszudrücken. Noch nie habe ich so wenige Sachen auf ner Ausgrabung selber tragen dürfen. Sogar ziemlich liberale oder linke Leute scheinen „deutsch“ und „weiss“ für ungefähr synonym zu halten.
  5. Man merkt erst, wieviel von seiner Ausdrucksweise auf dem Auswählen von leicht abstrusen synonymen beruht, bis man in eine Sprache mit einem kleineren Wortschatz zieht.
  6. Aber ich habe mit einem Schlag wenigstens einige meiner Sprachsorgen verloren, und bin von einem Maß romantischer nostalgie befreit. Yoko Tawada erzählt in ihrem Buch Überseezungen von einer Deutschen Frau, die in den USA lebt*:

    P sagte zu mir, sie könne in keiner anderen Fremdsprache ein solches Niveau erreichen wie im Amerikanischen. Dennoch habe sie im Amerikanischen einen Akzent, während sie im Französischen keinen habe. Ihre französischen Freunde hätten ihr das bestätigt. Im Französischen hat sie es nicht nötig, mit einem Akzent su sprechen. Der Akzent bewahrt die Erinnerung an die Muttersprache auf. Ohne Akzent könnte man von der Gegenwart der Fremdsprache verschluckt werden.“

    Ich habe manchmal stark an den kleinen deutschen Merkmalen in meiner Sprache gehangen, wenn auch nur um mich vom alten grey fascism island zu distanzieren. Selbst wenn mich jetzt Leute manchmal hier auch für englisch halten, ist es mir auf einmal viel weniger wichtig. Jetzt wo Englisch weniger Kraft hat, mich zu verschlucken, kann ich es einfacher als einen Teil von mir akzeptieren, und das Deutsch und Deutschland nicht wirklich viel besser sind. Ich habe mir das erste Mal selber ausgesucht, das Land zu wechseln, und vielleicht macht das es auch einfacher, zu akzeptieren, dass ich ein Teil der Gesellschaft bin, in der ich lebe.
  7. Im Nachhinein scheint es offensichtlich, aber ich glaube, das zuhause-Gefühl lebt nicht auf der Ebene der Nationen. Vielleicht aber zum Teil wenigstens auf der der Sprachen.
  8. Meinen Akzent kann allerdings immer noch keiner einordnen, aber es scheint hier zu wenig existentieller Verwirrung für meine Gegenüber zu führen.
  9. Es ist einfacher, in einer neuen Stadt neue Freunde zu finden, als ich dachte.
  10. Es ist schwieriger, sich in einem neuen Land in den politischen Diskurs reinzufinden, als ich dachte. Ich finde langsam Leute, denen ich auf Twitter folgen kann um zu sehen, was so in der linken und queeren Szene diskutiert wird, aber über England weiss ich immer noch besser bescheid.
  11. Ich kann nie im Supermarkt das finden, wonach ich suche. Monatelang bin ich immer an der Milch vorbeigelaufen, weil sie in England ganz anders verpackt und aufgestellt wird.
  12. Es macht mehr Schwierigkeiten als erwartet, in einer Sprache zu leben, wo es keine neutrale Gender Option gibt. Paradoxerweise scheint man viel weniger tun zu müssen um sich zum gender-nonconforming zu wenden, aber gleichzeitig scheint die Kategorie Frau (und sicher auch Mann) und ihre Zeichen stärker zu sein und festere Grenzen zu haben. Relativ einfache Schlupflöcher, wie einfach um das Pronom „they“ zu bitten, sind hier verschlossen. Das ist auch ein Grund, warum ich letztens meinen Trimmer aufgeladen und mir diese Frisur gegönnt hab.
  1. Selbst als eine etwas andere Person, die lernen muss, etwas andere Wortwitze zu machen, sehe ich immer noch verdammt gut aus.

* Yoko Tawada versteht in diesem Buch vieler meiner Sprachgefühle. Zum Besipiel:

„Kinder denken sich gherne Geheimsprachen aus und freuen sich darüber, dass andere Menschen sue nicht verstehen können, Man hat nicht immer Lust, eine Sprache mit einer anonymen Masse zu teilen. In Amerika muss man sich keine Geheimsprache ausdenken. Deutsch ist geheimnisvoll genug. Wenn is mit P auf der Straße redete, kam mir die deutsche Sprache vor wie eine Fantasiesprache der Kinder.“

Es was etwas seltsam, meine Geheimsprache zu verlieren, in der in immer mein Tagebuch geschrieben habe, damit mir keiner über die Schulter gucken kann.

small wildlife adventure

Hello friends! I had a long weekend this week thanks to Jesus business, a very welcome respite from capitalism. I feel a little like the heat and the relaxation have taken all of the words out of my brain but I want to show you some of the photos I took on Saturday on a trip to the Wisentgehege.

(which is not actually that far away but does require taking a bus that only runs once every two hours)
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[Review] Die Edda im Theater

(I went to the theatre last weekend and I have some Thoughts! I will give them im German, though, because that was what the piece was in and I could use the practice, anyway.)

Letztens war ich im Schauspiel Hannover, um mir Die Edda anzugucken.Ich war zufällig auf den Trailer gestoßen, der mich sehr neugierig machte. Besonders die Bühnengestaltung, dieses rohe Gerüst mit der vermischten Ikonographie… 👌👀 Am Ende war ich aber leider eher etwas enttäuscht vom ganzen Erlebnis. Trotz der positiven Aspekte hat es in mir eher ein Gefühl von verschwendetem Potential hinterlassen.

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[ART] & a small update/ein kurzes Update

Hallo Freunde! Ich steckte eine Weile unter einem Bürokratiefelsen fest, der mir nicht viel Energie für schreiben oder sonst noch was gelassen hat. Das ist jetzt hoffentlich bewältigt, und ich kann langsam wieder was mit mir anfangen. Letztes Wochenende hab‘ ich es sogar geschafft, eine Idee abzusetzen, die schon lange in meinem Kopf rumliegt: Freitag Abend überkam mich ein Dwarf-Fortress-artiger, verzweifelter Drang nach Kunst, und ich habe auf dem Teppich in meinem Schlafzimmer kniend diese freundliche Meerjungfrau entworfen. Sie ist fast fertig, ich muss nur noch ein bisschen Glitter besorgen…

Hello pals! For a while there I was stuck under a bureaucracy boulder that didn’t leave me much energy for writing or anything else. That should hopefully be dealt with now, and I can start doing things again. Last weekend I managed to excrete and idea that had been lying around in my head for ages: friday evening I was overcome with a desperate Dwarf-Fortress-like urge to do an art, and crouched on the rug in my bedroom to create this friendly mermaid. It’s almost done, I just need to acquire some glitter…

NSFW!! →

Favourite books of 2018

I keep making lists with five entries! It isn’t on purpose, I swear. I think pretty much everyone’s finished with their 2018 retrospectives already, but I’ve been busy with moving and starting a new job, and I still want to tell you my favourite books I read in 2018. These are the books that most grabbed me by my feelings and refused to let go.

📚 The Only Harmless Great Thing – Brooke Bolander

I picked up this little novelette at Nine Worlds, where someone had left a few copies of it on the leaflets and freebies table. I kept it aside for a few months before reading it, because it seem very dark. And it is, it’s about a woman slowly dying of radiation poisoning without even the compensation she’s been promised, the enslaved circus-elephant she’s training to replace her, and the men and institutions that torment them. But it’s also about memory, solidarity, and vengeance, and I found it really cathartic to read. Also there’s some sweet science fiction worldbuilding woven through the whole thing like a beautiful architectural construct holding up the plot. It never overexplains or gives you more detail than you need.

I think there’s a criticism to be made about the enslaved people being sentient elephants when human enslaved people presumably existed in the history of this alternate world, and people of colour presumably exist within it, as much as I love the elephant folktale and the nod to ray cats. But I’m not the person to make that critique, and I haven’t found one so far in my cursory googling, so maybe I’m overthinking, but it raised a question mark for me.

Anyway this is a book extremely worth reading if you want to be validated in your anger at capitalism and men, and it’s Tor’s free ebook this month, apparently, so go forth.

📚 Autobiography of Red – Anne Carson

I was given this book as a present and had no idea what to expect from it, but it lodged itself in my brain and I couldn’t stop thinking about it for weeks after I’d finished it. I think I’d have to re-read it to give a proper summary, because the beginning of 2018 already feels like a different century, but it’s a gorgeously weird mixture of mystical fictional non-fiction, dreamlike vividness and harsh realism, queerness and monstrosity and brightly saturated colours. Honestly I don’t understnd how it burrowed its way into my ribcage so thoroughly but I’m glad it did. I’m gonna reread it soon.

📚 Revenant Gun – Yoon Ha Lee

Thank god for the Machineries of Empire series and for YHL’s continued willingness to just put his entire self out there with the fanficcy tropes, because I love every one of them with my entire heart. This final book of the trilogy somehow managed to ramp up both the gay suffering, the horror, and the weird worldbuilding to increasingly  beautifully absurd levels, and I was suitably emotionally destroyed. Do you like to be gay and suffer, for fun, in space, unashamedly? While occasionally being slapped with the horrors of war and also making friends with robots? This book is for you.

📚 The Traitor Baru Cormorant – Seth Dickinson

Do you like to be gay and suffer, in a fantasy archipelago? But no, the suffering in this book actually feels a lot heavier and more real than that in Revenant Gun. While the Machineries of Empire series definitely confronts you with the horrors of war in some shining gems of uncomfortable scenes, nobody is particularly likely to ever be faced with the teenage cloned self of their dead mentor whose ghost they ate in real life. Plenty of people have witnessed their culture assimilated into empires and been faced with the dilemma of how to interact with violent systems.

It does have a delicious romance in there for the emotionally satisfying suffering amongst all the genuine discomfort though. It’s an interesting tension, and I don’t know quite what I think about it, but I am interested in where it takes the themes in the next book, and I did love all the characters intensely and had to lie down on my living room floor furiously texting the friend who recommended it to me to process my emotions as I read the last few chapters of ever more rapidly spiralling awfulness.

📚 Weight of the Earth – David Wojnarowicz

I think this is the book that set me off on the non-fiction kick I’ve been on recently. I picked it up at an art gallery gift-shop on a whim, mostly because I liked the cover, and it really paid off.  I love reading about the thought processes and experiences of artists (and people generally tbh–I still miss LiveJournal a bit for that reason honestly), and David Wojnarowicz is very relatable in his questions about relating to people and being understood; whether it’s possible at all, or desirable if it is. Even the sections where he just describes his dreams are weirdly relatable. They’re not interesting to read, maybe, but compelling somehow. I also don’t think I’ve ever come as close to understanding what it might be like to be living with a fatal disease as I did reading the entries set after his AIDS diagnosis.


So there you go, a selection of good books to read! I’ve been slowly writing and editing this post on my phone and it’s honestly a painful process, so I’m releasing it into the world with any awkward writing & whatever weird formatting problems the wp app decides to throw in there intact. Be gone from my drafts.

Queer/LGBTQ+ History podcasts

After eating my fill of audio drama podcasts while putting together my Nine Worlds rec list this summer, autumn and winter found me in more of a non-fiction mood. I picked up a handful of new (to me) queer history podcasts in the last few months (podcast backlogs having the unfortunate habit of running out, forcing the listener to find more or wait), so I thought I’d write up a list of my current favourites. You know, in case you need some help researching the queer fanfiction you’re gonna write me after last week’s post, because you love me. 😘

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Capital G Gay: queer spaces in fanfic

(a note: I use „queer“ and „gay“ as pretty much interchangeable fuzzy umbrella terms. This is another of those things I don’t really feel like explaining, it turns out.)

(another note: if you want to page down through my–albeit high quality and correct–Thoughts and Feelings about queerness and fanfic and just see the extremely good list of recs, click here)


A little while ago while clearing out my inbox I found an email from myself sent back in 2017, that I had no memory of, containing a list of links I’d apparently meant to look at again. (I actually just did the same thing to empty out the 20-odd tabs I had open on my phone, so: enjoy, future Hauke.) The bulk of them were Sherlock Holmes and Jeeves & Wooster fanfics, which is a particularly mysterious gift from past me as I don’t remember reading any of those since around the end of high school, 12 years ago. Since finding that email, though, I’ve been intermittently immersing myself in a warm and delightful 19th/20th century English novel fandom nostalgia pool. Almost every Jooster fic still follows the exact same emotional beats it turns out, and I love it.

In my (re)exploration of this particular corner of Ao3, though, I’ve discovered a few fics that were unusual pearls, and they brought home to me that the things I read fic for have been changing a lot in recent years. Or maybe they just showed me what I’ve been missing in the fics all along. Don’t get me wrong, I have always appreciated some good fraught dramatic gay romance and/or good porn, but the thing that’s been missing, which I didn’t notice was missing until I found the handful of fics that had it, was: queerness.

It’s not enough for me anymore for fanfic to be gay, I want it to be Gay. So often fic that has ostensibly queer romantic pairings depicts the characters in a way that makes them feel like they’re floating in a void, where their non-straight-ness means absolutely nothing to their life beyond the person they love and/or fuck. I hear there are some gay people who live like that but I’ve never been able to relate to it at all. I want characters to have feelings about their queerness and weirdnesses of sexuality and gender, and most imnportantly I want there to be queer spaces for them to exist in and explore.

At most a fic might include some homophobia, setting-appropriate or not, for a quick angst hit. But I don’t want the hurt of gay-bashing if you’re not going to counterweigh it with the real-life comforts of gay mutual support and family and community, of carving out a space in the margins and making it beautiful. I’m not even particularly linked into offline LGBT communities right now, but I know the feeling of recognising other gays in the wild, I seek out or make my own small gay spaces and I talk to my gay friends about my gay life. Seeing those interactions in fic is so satisfying and comforting.

Now that I’ve experienced fic where characters have queer friends and experience queer spaces and resilience and suffering in context, I can’t quite get the same warm glow from ones that don’t include it anymore. Please give me more! There’s so much untapped potential here. Obviously I’m biased as a history and worldbuilding nerd, but I feel if you’re writing a historical fic and don’t use some of the amazing historical information and annecdotes out there you’re doing the world and yourself a disservice— there’s so much good stuff there. And if you’re writing in a fantasy or scifi setting you have the freedom to extrapolate and invite your own queer spaces and culture! That sounds absolutely amazing to me, are you kidding, why isn’t everyone all over this.

Alright, after all that buildup, here’s the fics I found recently that prompted this post.

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